Ziele sind soweit klar? Super. Doch was ist mit Anti-Zielen? Und was mit Ziel-Ausschlüssen? Sind die auch definiert? Denn dein agiles Projekt kann ganz schnell das Budget sprengen, wenn du Antiziele und Zielausschlüsse vergessen hast. In manchen Fällen sind sie sogar wichtiger, als die “echten Ziele”!

Antiziele: Was soll keinesfalls erreicht werden?

Manchmal lassen sich Dinge einfach leichter negativ formulieren. Versuch doch mal “Mit dem Rauchen aufhören” positiv zu formulieren (also ohne “nicht”, “kein” etc.)

Antiziele und Ausschlussziele im agilen Projekt
Antiziele und Ausschlussziele im agilen Projekt

“Immer frische Luft atmen”? – Ehrlich? Und meinst du, irgendwer käme dabei dann noch auf die Idee, dass es grundsätzlich um Verzicht auf Zigaretten geht?

Manche Ziele lassen sich eben besser als Antiziele beschreiben. Und bei allem “Positivismus”: Ziele – gerade im agilen Projekt – müssen verstanden werden.

Kläre also in der Projektplanung unbedingt auch die Antiziele! Meist ist der Fokus so zielgerichtet, dass die umgekehrte Betrachtung leicht vergessen wird. Das kann teuer werden. Selbst wenn die Schuld für die Versäumnis dem Auftraggeber “in die Schuhe geschoben werden kann”.

Daher: Dreh den Spieß bei der Zieldefinition auch mal um (nachdem die positiven Ziele formuliert sind) und frage explizit: “Was soll keinesfalls erreicht werden?” Das führt häufig sehr effizient zu mehr Klarheit und entlarvt Denk- und Verständnisfehler!

Ein Beispiel aus meiner beruflichen Praxis:

Wir haben einen größeren Webshop, mit mehreren agilen Teams, realisiert. Mit uns im Boot war auch ein weiterer Dienstleister “VanAndern” {Name geändert}, der schon länger im Projekt war und einen großen Wissensvorsprung hatte, was Zusammenhänge im Konzern anging und auf dessen Schnittstellen wir zugriffen.

Das Miteinander war sehr Kollegial. Und so kam es, dass wir an mehreren Stellen freundliche Hilfsangebote der Kollegen annahmen, uns mit Infos und einer kleinen Anpassung in einer ihrer Schnittstellen weiter zu helfen.

Ein Antiziel im Sinne von: “Lasst euch nicht von VanAndern helfen.” wäre nützlich gewesen. Denn im weiteren Verlauf des Projekts stellte sich heraus, dass die politische Situation in der Firma des Auftraggebers stark aufgeladen war und unsere Wiederbeauftragung plötzlich ins Wanken kam, da wir ja “auf Hilfe von VanAndern angewiesen waren”.

Die Chefs der netten Kollegen hatten jede noch so kleine Hilfsleistung und Information akribisch dokumentiert und dem Auftraggeber vorgelegt, mit dem Angebot, dass sie unseren Part gleich mit übernehmen könnten.

Der Clue: Unser Chef wusste von der aufgeladenen Situation, hatte es aber nicht für nötig gehalten, uns damit zu belasten.

Erwähnte ich bereits das Antiziel, dass hier ohne große Erläuterung bereits hätte hilfreich sein können?

Ein anderes Beispiel war ein Webprojekt, in dem der Auftraggeber in langen Worten erklärte, wie wichtig ihm schlichtes und modernes Design war. Benutzerzentriert und dynamisch. Klare Linien, doch alle Informationen sollten über Menus schnell verfügbar sein.

Schnell war ich auf dem gedanklichen Weg, Google’s Material Design zu verwenden, dass nach meinem Verständnis perfekt seinen Wünschen entsprochen hätte.

Bis er an die Stelle kam: “Nur sollte es keinesfalls den Seiten von Google ähneln“. Denn so sähen bereits die Seiten seines Haupt-Wettbewerbers aus und er wolle sich unbedingt stilistisch abgrenzen.

Danke! Ohne dieses Antiziel wäre es ein sehr ernüchterndes erstes Review geworden, in dem wir voller Stolz einen Prototypen auf der Basis von Google’s Material Design präsentiert hätten…

Ziel-Ausschlüsse: Was ist nicht Bestandteil des Auftrags?

Ziele Ausschlüsse sind wie die Löcher im Emmentaler. Doch sie können mehr: Sie können dein Budget retten.

Wie das?

Häufig werden Ziele formuliert, die mehr enthalten, als der Auftraggeber will. Da hilft es, klar zu machen, was genau nicht Teil der Beauftragung ist. Sonst werden Ressourcen vergeudet.

“Kauf mir ein Stück Grillfleisch – aber kein mariniertes!”

Solch ein Ausschluss ist def. leichter zu formulieren und zu erreichen, als die positive Version davon.

Häufig entstehen Missverständnisse im Projekt auf Grund fehlenden Wissens. Und oft ist es nicht hilfreich, alle Beweggründe zu erläutern. Klare Kommunikation gewinnt. Gerade im agilen Umfeld.

Was würde es dir in Bezug auf deine Aufgabe weiter helfen, zu wissen, dass ich eine tolle Marinade von meiner Oma kenne, in die ich unbedingt mein Steak einlegen möchte. Und dass ich gegen Konservierungsstoffe allergisch bin, die in den meisten gekauften Marinaden enthalten ist. Und….

Das enthält alles unnötiges Fehlerpotential. Ein klar definierter Ziele-Ausschluss dagegen rettet das Grillfest.

Wie sieht das im Projekt aus?

Wenn das Budget am Ende ist und vom Backlog (bzw. Pflichtenheft/Auftragsumfang) noch viel übrig ist, weil man Ressourcen in Dinge vergeudet hat, die eigentlich gar nicht gewünscht waren (Ein nicht formuliertes Ausschlussziel), dann rückt die Wiederbeauftragung schnell in weite Ferne. Denn was in Erinnerung bleibt ist: Das Ziel wurde nicht im budgetierten Rahmen erreicht.

Beispiel: Ein Webshop soll überarbeitet werden. Die Validierung der Daten sowie Optimierung der Bilder ist aber ausdrücklich nicht erwünscht (z.B. weil es nur Dummy-Daten sind oder der Auftraggeber hierfür einen anderen Spezialisten beauftragt.)

Auch hier also die Empfehlung: Frage explizit zu jedem formulierten Ziel nach, ob es Ausschlüsse gibt, die in diesem Ziel ausgelassen werden sollen.

Ausschlussziele und Antiziele klar formuliert zu dokumentieren kann viel Nerven und Geld sparen. Doch vor Allem macht es dein Team effizienter und hilft dir deine Ressourcen nur in Aufgaben zu investieren, die auch auf dein erklärtes Ziel einzahlen.

Konnte ich dein Interesse an Zielen wecken?

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